Bonitierung bestätigt Spitzenqualität
| weitere Beiträge |
|---|
Auch im Jahr 2026 konnte der Mühlviertler Hopfen seine herausragende Qualität unter Beweis stellen. Die Bonitierungskommission stufte 98,6 Prozent der geernteten Menge in die Qualitätsklasse 1 ein. Dieses Ergebnis bestätigt erneut die hohe fachliche Kompetenz der Mühlviertler Hopfenbauern und die sorgfältige Arbeit entlang der gesamten Produktionskette.
Für die Brauereien ist dies eine erfreuliche Nachricht. Trotz herausfordernder Witterungsverhältnisse konnten die heimischen Bauern Hopfen von ausgezeichneter Qualität liefern, der den hohen Anforderungen der österreichischen Bierproduktion entspricht.
Bonitierungskommission vlnr: Braumeister Sebastian Stegbauer (Stieglbrauerei), DI Jörg Kaltenecker (Stieglbrauerei), Obmann-Stellvertreter Gerhard Ehrensperger, Hopfenkönigin Melanie Paukner, Aufsichtsrat-Vorsitzender Christian Wild, Braumeister Hannes Leitner (Braucommune Freistadt), Dr. Johann Jäger (Brau Union), DI Clemens Forster (Brau Union), Braumeister Heinz Wasner (Privatbrauerei Zwettl), Obmann Stefan Hofer, Geschäftsführer Mag. Manuel Starlinger (c) Hopfenbaugenossenschaft
Ein Jahr der Wetterextreme
Das Hopfenjahr stellte die Hopfenbauern jedoch vor große Herausforderungen. Bereits Spätfröste im Frühjahr beeinträchtigten die Entwicklung der Pflanzen. Es folgte das trockenste Frühjahr seit 169 Jahren, bevor ein außergewöhnlich heißer und niederschlagsarmer Sommer die Bestände zusätzlich belastete.
„Mitte Juli sahen die Bestände vielerorts noch vielversprechend aus. Die anhaltende Hitze in den entscheidenden Wochen führte jedoch dazu, dass sich die Dolden nicht mehr optimal entwickeln konnten“, berichtet die Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft.
Die Hopfenpflanzen entwickelten zwar zahlreiche Dolden, diese konnten sich jedoch aufgrund der langanhaltenden Hitze nicht ausreichend ausbilden. Die Folgen waren deutlich spürbar: Mit einer Erntemenge von lediglich 193 Tonnen lag die Produktion weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Zum Vergleich: Im Vorjahr konnten noch rund 302 Tonnen eingebracht werden. Nach Angaben der Hopfenbaugenossenschaft war lediglich das Jahr 2015 noch schwächer ausgefallen.
Deutlich geringere Alpha-Werte
Neben den Ertragseinbußen stellte insbesondere die Entwicklung der Alpha-Säuren die Produzenten vor Herausforderungen. Der Alpha-Wert bestimmt maßgeblich das Bitterpotenzial des Hopfens und ist damit ein zentraler Faktor für die Bierherstellung.
Im Jahr 2026 lagen die Alpha-Werte je nach Sorte 30 bis 50 Prozent unter den langjährign Durchschnittswerten. In einzelnen Fällen war die Situation so schwierig, dass erstmals etwa 1,5 Hektar Hopfenfläche überhaupt nicht geerntet wurden, weil eine wirtschaftliche Nutzung nicht mehr möglich war.
Für die Hopfenbauern bedeutete dies einen erheblichen wirtschaftlichen Druck: Der Arbeitsaufwand blieb nahezu unverändert, während die Erträge deutlich zurückgingen.
Anpassung an den Klimawandel
Die Erfahrungen des Jahres 2026 zeigen einmal mehr, wie stark der Hopfenanbau von klimatischen Entwicklungen beeinflusst wird. Besonders ältere Sorten und langjährig bestehende Anlagen reagierten empfindlich auf Trockenheit und Hitzestress. Neuere Sorten erwiesen sich hingegen als deutlich widerstandsfähiger.
Deshalb soll künftig unter anderem die Aromasorte Akoya stärker ausgebaut werden. Gleichzeitig gewinnt das Thema Bewässerung zunehmend an Bedeutung. Derzeit werden im Mühlviertel lediglich rund 20 Prozent der Hopfenflächen künstlich bewässert. Um die Anbausicherheit langfristig zu gewährleisten, werden Investitionen in moderne Bewässerungssysteme künftig eine noch größere Rolle spielen.
Versorgung der Brauereien gesichert
Trotz der unterdurchschnittlichen Ernte können die österreichischen Brauereien weiterhin zuverlässig mit Mühlviertler Hopfen versorgt werden. Möglich machen dies vorhandene Lagerbestände aus den Vorjahren, die nun zur Stabilisierung des Marktes beitragen.
Die Hopfenernte 2026 wird damit als Jahr in Erinnerung bleiben, das eindrucksvoll gezeigt hat: Höchste Qualität ist auch unter schwierigen Bedingungen möglich. Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse, vor welchen Herausforderungen der heimische Hopfenbau angesichts zunehmender Wetterextreme steht und welche Anpassungen für die Zukunft notwendig werden.
Nähere Infos: Hopfenbaugenossenschaft eGen.
Die Hopfenbaugenossenschaft besteht aus 38 Mitglieder mit einer Hopfenanbaufläche von 173 ha. 33 Betriebe mit einer Fläche von 160 ha befinden sich im Mühlviertel und 5 Betriebe bewirtschaften im Waldviertel eine Fläche von 13 ha.
Im Mühlviertel sind neun Betriebe mit einer Fläche von 32 ha Hopfen auf kontrolliert biologischen Anbau spezialisiert. Dadurch stehen 20 % des Mühlviertler Hopfens in biologischer Qualität zur Verfügung.

